Dezember, 2006
Bericht: Ringveranstaltung
Odessa und seine aktiven Gruppen im sozialen Bereich
Eine Ringveranstaltung in russischer Sprache mit deutscher Übersetzung
Entstehungsgrund:
Die Sonne, das Meer, der Strand, die schön renovierten Gebäude und die vielen Cafés... In Odessa lässt sich gut leben! So denken viele begeisterte einheimische und ausländische Einwohner. Aber auch in Odessa, wie übrigens auch in anderen traumhaften Städten der Welt, verlieren viele Frauen und Männer Arbeit oder Wohnung und schaffen es nicht, ihre wirtschaftlichen, familiären oder psychischen Probleme zu bewältigen. Ein soziales Netz ist fast nicht vorhanden. Menschen werden schnell obdachlos, alkohol- oder drogenabhängig und vor allem Frauen werden Opfer von Menschenhändlern. In solchen Krisensituationen ist es auch leicht, sich mit HIV oder mit anderen Geschlechtskrankheiten oder auch mit Tuberkulose zu infizieren.
Viele odessitische Frauen, aber auch einige Männer arbeiten auf ehrenamtlicher Basis bereits seit einigen Jahren, um gegen Gewalttätigkeit in der Familie, Obdachlosigkeit von Erwachsenen und Kindern, Alkohol- und/oder Drogenmissbrauch, HIV / AIDS und Frauenhandel anzugehen.
Ich veranstalte seit 2005 im Namen meiner Organisation Frauen in der Einen Welt Zentrum für interkulturelle Frauenalltagsforschung e.V., FidEW (Nürnberg) eine Ringveranstaltung mit den im sozialen Bereich aktiven Gruppen, die in der Stadt Odessa arbeiten. Eine von den Zielen von FidEW ist die Vernetzung und der Erfahrungsaustausch.
2005 waren Doris Ratz (Deutsche EvangelischLutherische Gemeinde St. Paul in Odessa) und Elke Brederek (DAAD) und 2006 Nikole Borisjuk meine Kooperationspartnerinnen. Außerdem haben Olga Khil, Uljana Schevchenko und Alexander Miskin mich in diesen zwei Jahren sehr viel unterstützt.
Die Deutsche EvangelischLutherische Gemeinde St. Paul in Odessa stellt die Räume für die Veranstaltungen zur Verfügung und die Teilnehmerinnen wissen die gepflegten Räume im Pastorenhaus zu schätzen.
Ziele der Ringveranstaltung:
1. Informationsgewinn: Aktuelle Information zu gewinnen über die Arbeit der Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) in Odessa und sie für die Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.
2. Mehr öffentliche Aufmerksamkeit für soziales Engagement: Die Arbeit der odessitischen NGOs in der Öffentlichkeit bekannter zu machen, da die Vereine nur dem Fachpublikum bekannt sind.
3. Vernetzung: Den Raum dafür bieten, dass die odessitische NGOs sich untereinander kennen lernen.
4. Erfahrungsaustausch: Die regelmäßigen Ringveranstaltungen sollen dazu beitragen, dass die Organisationen untereinander ihre Erfahrungen austauschen, voneinander lernen, sich gegenseitig anregen und unterstützen. Somit spielen diese Veranstaltungen die Rolle eines Fortbildungsseminars für die Mitglieder der beteiligten NGOs. Die Veranstaltungen verstehen sich als ein Forum für die Reflektion und Diskussion über die verschiedenen Konzepte in der Sozialarbeit.
5. Kulturarbeit und Kommunikation: Die Übersetzung der Veranstaltung in die deutsche Sprache dient dazu, dass auch das interessierte deutschsprachige Publikum in Odessa sich über die Arbeit der odessitischen NGOs informieren, sich austauschen und Kontakte schließen können.
Durchführung der Ringveranstaltung
Es wurde eine umfangreiche Mail-Adressensammlung zusammengestellt. Hier sind odessitische NGOs und an deren Aktivitäten sowie interessierte odessitische und deutschsprachige Personen vertreten. Anfang des Jahres wird das Programm an alle Interessierten versandt. Eine Woche vor jeder Veranstaltung informiert ein Infobrief über die bevorstehende Veranstaltung. In jeder Veranstaltung schreiben die Zuhörerinnen und Zuhörer in einer Liste ihre Mailadressen und Telefonnummern auf, damit sie über die kommenden Veranstaltungen benachrichtigt werden können.
Einmal im Monat, jeweils an einem Montag findet eine Veranstaltung statt. Zu Beginn jeder Veranstaltung stellt sich die eingeladene Organisation mit einem 20-minütigen Referat vor. Manche Organisationen benutzen bei der Vorstellung Filme, Fotos, Publikationen oder Dias. Danach ist eine Stunde Gelegenheit zu Rückfragen und Austausch.
Der Besuch ist offen für alle. Die Organisatorin bittet die Teilnehmerinnen immer um die Weitergabe der Informationen.
Bei jeder Veranstaltung ist auch für die Übersetzung ins Deutsche gesorgt.
Ergebnisse der Ringveranstaltung
Die Ringveranstaltung wurde neben OdesitInnen, die sich über die Arbeit der jeweiligen NGO informieren wollen, auch von Lehrkräften aus Hochschulen und Schulen sowie von Studentinnen oder von VertreterInnen der odessitischen NGOs und auch in Odessa ansässigen deutschsprachigen AusländerInnen besucht.
Somit hat eine breitere Öffentlichkeit die Arbeit der in Odessa aktiven Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) kennen gelernt. Das ist ein wichtiges Ergebnis, weil bisher die odessitische NGOs nur in einem begrenzten städtischen Bereich und unter InsiderInen bekannt waren.
Dozentinnen und Lehrerinnen einer odessitischen Hochschule und einer Schule wollen für die AIDS-Aufklärung für Studentinnen und Schülerinnen mit Vera, Nadeshda, Lubov (VNL) kooperieren.
Eine Hochschullehrerin berichtete von einem Video-Aufklärungsprojekt für Studentinnen über HIV-Infizierung und bot die Projektmaterialien Interessierten zur weiteren Verwendung an.
Für manche der anwesenden odessitischen Organisationen war die Ringveranstaltung die erste persönliche Begegnung. Es wurden in Veranstaltungen nachhaltige Kontakte unter den odessitischen Organisationen geschaffen, die Gruppen haben von den Erfahrungen den anderen Gruppen Neues gelernt, sie haben neue Ideen für die eigene Arbeit bekommen und gemeinsame Projekte entwickelt. Es wurden auch wichtige aktuelle Informationen ausgetauscht, z.B. der Hinweis auf ein geplantes Sommerlager mit Kindern aus stabilen Familien und Kindern aus geschädigten Verhältnissen
Die Präsentationen der NGOs ermöglichten Studentinnen aus Odessa, Gruppen kennen zu lernen, die sie vorher nicht gekannt hatten. Sie nutzten die Gelegenheit, um sich nach Praktikumsplätzen bei diesen Organisationen zu erkundigen.
Die Ringveranstaltung hat auch zum Erfahrungsaustausch und zur Netzwerkbildung von NGOs über Odessa hinaus beigetragen. Sie wurde auch von Dozentinnen und Studentinnen der Philologischen Fakultät, Fachbereich Deutsch der Staatlichen Universität in Mykolayiv besucht. Mykolayiv ist eine Stadt, die 180 km von Odessa entfernt ist. Um die Ringveranstaltung zu besuchen, fahren die Studentinnen fast vier Stunden! Es wurden Kontakte geknüpft und es ist ein Erfahrungsaustausch zwischen interessierten odessitischen NGOs und mykolayiver Initiativgruppen geplant. Eine Gruppe von Studentinnen aus der Hochschule in Mykolayiv hat die Informationen aus der ersten Veranstaltung als Grundlage für eine Hausarbeit benutzt.
Die Vertreterin der Organisation Boris-Derewjanko-Wohltätigkeitsfond bot eine Zusammenarbeit zwischen der eigenen Organisation und interessierten Organisationen in Mykolayiv an.
In jeder Veranstaltung gab es immer eine Gruppe von Stammgästen und auch je nach Thema neu Interessierten.
Durch das deutschsprachige Publikum wurden die Informationen aus diesen Veranstaltungen in andere Länder gebracht. So konnte ich Praktikantinnen aus Deutschland in Praktikumsstellen bei odessitischen NGOs vermitteln. Es sind auch Kontakte für Sponsoring entstanden.
Die Veranstaltungsreihe Odessa und seine aktiven Gruppen im sozialen Bereich wird auch im Jahr 2007 angeboten. Folgende Organisationen werden ihre Arbeit vorstellen: Lighthouse Straßenkinderprojekt, Zukunft - Klinik für behinderte Kinder, Fond Reformatia Altenarbeit, Kontakt - Anonyme Alkoholiker, Liebe zum Leben - Rehabilitation von Alkohol- und Drogenabhängigen und Zentrum für Förderung der Jugend. Weitere Informationen unter kruglystol-od@mail.ru (Betreff Kruglystol-Odessa benutzen!) oder telefonisch unter (048) 799 06 89.
2005 und 2006 vorgestellte Organisationen:
Vera, Nadezhda, Lubov (Glaube, Hoffnung, Liebe)
Beratungs- und Informationszentrum für Prostutierte, Aidskranke
Tel. 63 33 39 semikop@te.net.ua
Zhivaya Nadezhda (Lebendige Hoffnung)
Beratung und Betreuung von Kindern und Jugendlichen aus Problemfamilien
Tel. 743 30 43 borisuk@web.de
Nash Svit (Unsere Welt)
Betreuung von Straßenkinder www.hilfe.narod.ru
FRIS
Beratung und Unterstützung von Sehbehinderten
Tel. 65 90 13 Fax: 65 80 45 kach-1@mail.ru
Studentenschaft Politech
Studenteninitiative für Altenbetreuung und -versorgung
Tel. 49 78 92 (3809-728 037 48) pravedny@front.ru
Boris-Derewjanko-Wohltätigkeitsfond
Beratung für Menschen in Krisensituationen
Tel. 22 18 10, 61 15 78 alexm@te.net.ua , telefon_doveriya@mail.ru
Shkola ravnich wozmozhnostey (Schule gleicher Möglichkeiten)
Interaktives Straßentheater
Tel. 34 28 93 kritsak_n@rambler.ru
Zhizn Plus (Leben plus)
Beratungs- und Betreuungszentrum für HIV und AIDS Patienten und ihre
Angehörige
Tel. 711 18 69, 711 18 52 life_plus@ukr.net
Doroga k Domu (Der Weg nach Hause)
Wohnheim für Obdachlose, Arbeit mit obdachlosen Kindern, Erwachsenen
und Drogenabhängigen
HIV-Prävention
Tel. 777 20 76 office@wayhome.ua
Fond Derzhawa
Arbeit mit Behinderten, Kindern und Jugendlichen
Tel. 728 90 38 dearcity@com.od.ua
Oasis
Rehabilitationszentrum für drogenabhängige Jugendliche und junge
Erwachsene
Tel. 746 88 53 oasis@ukr.net
Hilfe für Kinder mit Krebs
Tel. 308557
Deutscher Tierschutzbund e.V. Vertretung ODESSA
Tel. 777 06 94 dtsb@te.net.ua
«Du kannst»
Ukrainische Jugendorganisation
Tel. 8-097-913-54-49 mariya.novak@gmail.com
Meral Akkent
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