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AKTUELLES
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Gerhard Glüher (Hsg):
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Kovar Verlag, 2004
444 Seiten, ausführliche Bibliographie

Nach dem Abschluss ihres Studiums am Leo Baeck College in London
wurde die Autorin Pauline Bebe 1990, im Alter von 26 Jahren, als
erste Rabbinerin Frankreichs ordiniert. Seither ist sie als Gemeinderabbinerin
der liberalen jüdischen Gemeinde "Communauté juive
liberale" in Paris tätig.
"Als Frau geboren, zur Rabbinerin geworden", musste sie
zunächst beweisen, dass sie dieser Aufgabe genauso gut gewachsen
war wie ein Mann. Zunehmend gewährte ihr das Rabbinat Zeit
zu Fragestellungen, die die Rolle der Frau und ihre sexuelle Identität
im Judentum zum Inhalt hatten.
In enzyklopädischer Form sind in diesem Buch Beiträge
gesammelt zu den großen Frauengestalten aus Bibel und Talmud
und zu weiblichen Lebensthemen wie Ehe, Scheidung, Abtreibung, Empfängnisverhütung,
etc., ergänzt mit Quellenverweisen. Dazu zwei Zitatauszüge
als Beispiele:
Lesbische Beziehungen - "Und bei einem Manne sollst
du nicht liegen, wie man bei einer Frau liegt. Ein Gräuel ist
das." (Levitikus 18:22)
Stimme der Frau / Kol be'Ischa Erva - "Wenn Männer
singen und Frauen einstimmen, so ist dies schon eine Ausgelassenheit,
wenn aber Frauen singen und Männer einstimmen, so ist dies
wie Feuer im Werg." (Talmud, Sota 48a)
Die zum Teil Jahrtausende alten religiösen und rituellen Vorschriften
unterzog die Autorin aufgeklärt und kenntnisreich einem neuen,
radikal kritischen Denkansatz. Mit Nachdruck verweist sie aber auch
darauf, dass die Einbindung der Tradition zur Lebenswirklichkeit
einer modernen Gesellschaft und eines toleranten Judentums eine
wesentliche Voraussetzung ist.
Ein flüssig zu lesendes Standardwerk zu etwa 100 lexikalisch
geordneten Themenkomplexen.
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Wienand Verlag, Köln, 2002,
deutsch / englisch,
272 S., 75 farbige und 242 Duoton Abb.

Beim flüchtigen Durchblätten des Buches entsteht, im Gegensatz zu seinem Untertitel, zunächst der Eindruck, es handle sich bei den abgebildeten Personen um zwei Tänzerinnen. Alexander Sacharoff, exaltiert und androgyn, war der erste auf Konzertpodien solistisch auftretende männliche Tänzer. Anmut und Natürlichkeit hingegen bestimmen den tänzerischen Ausdruck seiner Frau Clotilde Sacharoff, die bis zu ihrer Heirat unter dem Künstlernamen Clotilde von Derp bekannt war. Sie galt als eine Tänzerin von "unübertroffener Eigenart" (Münchner Neueste Nachrichten, 1912). "Zweifellos sind sie für mich die erste Tänzerin Deutschlands”, schrieb ihr der Bildhauer Georg Kolbe 1916.
Alexander Sacharoff und Clotilde von Derp heirateten 1919 aus Anlass einer bevorstehenden Amerika-Tournee - Marianne von Werefkin war Trauzeugin. Am Münchner Presseball, 1913, begegnete sich das Paar das erst Mal und trug fortan durch gemeinsam gestaltete Programme zur tanzreformatorischen Bewegung bei.
Die Schwabinger Kunstszene war Anziehungspunkt für Künstler
und Künstlerinnen aus In- und Ausland.
Alexander Sacharoff, 1886 in Mariupol/Ukraine geboren, studierte
Malerei ab 1903 in Paris und wechselte 1905 nach München. Dort
vollzog sich nach und nach sein Schritt vom Bildenden Künstler
zum Tänzer. Eng befreundet mit russischen Künstlerkollegen
wie Jawlensky, Kandinsky, Hartmann trat er 1909 der Neuen Künstlervereinigung
München bei, aus der der "Blaue Reiter" hervorging.
Clotilde von Derp, 1892 als Clotilde Edle von der Planitz in Berlin geboren, zog 1900, aufgrund der Trennung ihrer Eltern, mit Mutter und Schwester nach München. Dort erzielte die Mutter in neu-schwabinger Lebensform ihr finanzielles Einkommen mittels eines Musikinstitut für Kinder. Clotilde, musisch erzogen, mit Vorliebe für Musik und Tanz, trat seit 1909 öffentlich bei Tanzveranstaltungen auf. Im Münchner Kunstkreis aufgewachsen, war sie Model für Bildhauer, Maler und Fotografen.
Dank der Recherchen der beiden Herausgeber entstand zu gleichnamiger Ausstellung das bemerkenswert schöne Begleitbuch. Zahlreiche Dokumente, Fotos und Kunstwerke aus der persönlichen Sammlung der Sacharoffs belegen nicht nur die tanzhistorische Bedeutung des Paares, sie spiegeln auch eine Zeit wieder, in der befreundete Künstler in München-Schwabing an der Verschmelzung künstlerischer Disziplinen experimentierten und von dort aus in die Welt ausstrahlten.
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© Frauen in der Einen Welt