Ein handgefertigter Stoffteppich mit bunten Stickereien, die eine Szene mit Menschen in einem Haus mit Garten und Auto darstellen.

Fäden des Lebens:
Geburt und Geborenwerden in der Textilkunst

Das Motiv der Geburt ist in der Kunst keineswegs selten. Es erscheint auf Werken aus unterschiedlichen Materialien und ist somit auch in der Textilkunst präsent. Mithilfe verschiedener textiler Techniken stellen Künstlerinnen Szenen aus unterschiedlichen Phasen der Geburt oft sehr anschaulich, konkret und detailreich dar und schaffen damit ein visuelles Zeugnis des kulturellen Kontexts, in dem die Geburt stattfindet.

Stoffbild mit vier Häusern, einem Auto und mehreren Figuren in traditioneller Kleidung, umgeben von einem rosa Rand.

Arpillera

Diese Darstellungen geben Einblicke in lokale Vorstellungen und Überzeugungen zu Schwangerschaft, zum weiblichen Körper in dieser Zeit, zur Unterstützung durch die Gemeinschaft, zu den Personen, die eine Frau bis oder während der Geburt begleiten, zu den Orten des Geburtsgeschehens sowie zu den üblichen Gebärhaltungen.

Eine handgefertigte Stickerei zeigt eine Szene mit mehreren Figuren vor einem Haus, einer LKW-Fahrzeug und einem Haus im Hintergrund. Die Figuren scheinen auf einer Straße unterwegs zu sein.

Arpillera

Die Veranschaulichung von Geburt in der Textilkunst kann zudem als ein Akt der Artikulation dieser authentisch weiblichen Erfahrung verstanden werden. In diesem Sinne werden Stoffe nicht nur zu einem Mittel des ästhetischen Ausdrucks, sondern auch zu einem Raum des Widerstands – ein Ort, an dem das gesellschaftliche Schweigen über Körper, Schmerz, Stärke und Verletzlichkeit durch die Sprache von Fäden, Mustern und textilen Strukturen ersetzt wird.

Eine bunte Stoffwandbild mit einer ländlichen Szene, einschließlich Berge, Sonne, Häuser, Bäume, Gänse, Menschen, Krankenzubehör, Wasser und Tiere, gestaltet mit bunten Stoffen, Stickereien und Applikationen.

Arpillera

Diese Objekte dokumentieren nicht nur den Beginn des Lebens eines Kindes und einen neuen Lebensabschnitt der Frau, sondern verweisen auch symbolisch auf Übergänge, Veränderungen und Kontinuitäten. Ihre Analyse eröffnet einen Raum für ein tieferes Verständnis weiblicher Erfahrungen, die oft verborgen bleiben, in der Textilkunst jedoch – leise oder laut – sichtbar werden.

Embrociertes Muster mit einer nierenförmigen Figur in rotem Kleid und braunem Kopf, umgeben von bunten geometrischen Mustern.

Stickbild aus Afghanistan

Tafeltuch mit handgemalter Szene einer Rettungs- oder Pflegeaktion: drei Szenen, darunter Menschen bei der Flucht, ein medizinischer Eingriff mit Krankenschwester und Patient, sowie Menschen mit Körben, alles im bunten, kindlichen Stil.
Patchwork-Textil mit eingebettetem Stofftier und Stickereien, darunter ein Stofftier in Blaufarben in einer bunten, texturierten Fläche.

Textile Bilder

Foto 1 und 2, Foto 3: Arpillera, Kollektion Roberta Bacic, London 2009. Leihgabe von Roberta Bacic
Foto 4: Arpillera, Kollektion Roberta Bacic, Brasilien 2011. Leihgabe von Roberta Bacic
Foto 5: Stickbild, Afghanistan 2025. Dauerleihgabe von Frauen in der Einen Welt
Foto 6 und 7: Textiles Bild, Kollektion Roberta Bacic, Simbabwe 2012. Leihgabe von Roberta Bacic

Text © Tijana Jakovljević-Šević, Frauen in der Einen Welt
Objekte © Sammlung "Frauen in der Einen Welt"